Urlaubsminiaturen

Reisepause in Lüneburg. Auf dem Heimweg vom Essen im Kurpark auf ein Konzert der Band Brass Riot gestoßen. Was für eine Stimmung! Alles hüpft und tanzt. Vielleicht wegen Coronakulturflaute besonders heftig erlebt.

Best Western Plus Residenzhotel, Lüneburg. 3 Sterne. Ich ergänze die Vormeldung „veganes Frühstück“ in letzter Zeit mit „Milcheiweißallergie“. Stimmt (leider) für meine Person, verhindert eventuell Diskussionen über Weltanschauungen und erhöht vielleicht die Deutlichkeit. Äh, nö. Ziegenjoghurt und laktosefreie Kuhmilchprodukte, extra für uns. „Das können Sie gleich wieder mitnehmen“-Moment. Für beide Seiten entäuschend.

Viele Autokilometer, zwei Fähren, man selbst und die Anderen. Da kann einiges schief gehen. Sehr dankbar, wenn alles flutscht.
An keiner Grenze kontrolliert worden. Die Stichprobe hat einmal das Auto vor uns herausgewunken.

Merke:
Wenn es in einem Zweifamilienhaus mit zwei Bewohnern keine nennenswert freien waagrechten Flächen oder Schubladen gibt, kann man aus der Tasche leben, ohne dass jemand Vorträge über Ausräumen hält.
Beispielweise kann man Werkzeuge zählen, um auf die beachtliche Anzahl, manches Richtung Dutzend, hinzuweisen. Das wurde mir als falscher Ansatz erklärt. Das ist der Hammer von Sven, der ist von Björn, der von Anderssons, …. Mein heimischer Keller ist nicht ganz frei solcher Historie, aber hier kann man den Werkzeugkeller auch als Gedenkstätte ansehen.

Nach ein paar Tagen Göteborg vier Fahrräder gepumpt, geschraubt, geschmiert, gereinigt. Ich habe mehrere Freunde, die Radputzen religiös zelebrieren. Bin eigentlich immun. War aber befriedigend, dass ein altes Rad wieder glänzt und rollt. Radtour über die neue Hisingsbron, ein Eis bei Stenpiren. Schön, wenn das Kind zum Vorschein kommt.

Anfangs bei jedem Einkaufen den Gedanken „Nein, man braucht hier keine Maske“ durchlebt. Wir kennen Deutsche, die wegen dieser Freiheit zeitweise nach Schweden gezogen sind. Wir kennen welche, die ihren Urlaub wegen dieser dann als Bedrohung empfundenen Freiheit verkürzt haben. Das wegen schlechtem Wetter wegfallende „aussen“ und das erforderliche Zusammenrücken in Innenräumen kam nicht gut an.

Haus in Stranderäng für ein paar Tage angeboten bekommen. Urlaub im Urlaub. Kungshamn, Lysekil, Fjällbacka, Grebbestad besucht. Fast immer mit einem Bad im Meer verbunden. Aber wenig touristisches gemacht. Kungsklyftan wegen Astrid Lindgren, wenig Interesse an Shopping und am feilgebotenen Essen. Auf die Frage, ob man Smögen anschauen sollte, sagt uns eine einheimische Bekannte: „Wenn Du Interesse an generischen Geschäften und Menschenmassen hast.“

Zurück in Göteborg einiges repariert und gerichtet, weil die alten Leutchen nicht mehr können oder auch manchmal nicht mehr wollen. Teilweise ein befriedigender Zeitvertreib. Gedanken und Gespräche zu Altwerden und Zukunft. Aus der Reihe „Topf auf dem Herd vergessen“ diesmal die Episode: Spültuch mit Chlorreiniger auskochen. Ergebnis feinste Rußflocken, zum Glück auf den Topf begrenzt. Erstaunlich, wie filigran wenig Masse übrig bleibt. Dafür Gestank im ganzen Haus. Ein Strich bei Glück gemacht. Gibt es einen Herdheiligen, der diese Fälle mildert? Neue Vokabel gelernt, spisvakt. Wäre gut.

Viele Kontakte mit Familie, Freunden und Bekannten. Klingt abgedroschen, ist sicherlich coronabedingt verstärkt, dass diese Zeit besonders wertvoll erscheint. Man trifft sich, man beschäftigt sich miteinander. Unklar, ob man keine aufregenden Dinge unternimmt, weil man das zur Zeit nicht soll. Oder ob man gar keinen Bedarf daran hat, merkt, dass andere Dinge zählen und damit zufrieden ist.

Um die vielen Ankünfte, zeitweisen Abwesenheiten, Abreisen und Treffen von Familie und Freunden sicher in den Griff zu bekommen, tat ein Kalender gute Dienste. Ohne, hätten wir bestimmt jemanden nicht irgendwo abgeholt.

Kisten mit Wein hatten wir exportiert, zwei sehr schöne Hocker von Norrgavel kommen mit nach Hause. Die Klassifizierung „sehr teuer“ wandelt sich zu „eher günstig“, wenn der Preis der Sessel bekannt ist, die wir eigentlich nach Probesitzen erwerben wollten. Leider waren unsere Körper damit nicht ausreichend bequem kompatibel.

NH Hotel Hamburg Horner Rennbahn. 4 Sterne. Auch hier Frühstück ohne Tier bei Reservierung angegeben. Keine Reaktion. Per Mail nachgefragt, bestätigt worden. Beim Einchecken bestätigt und Zeit für Frühstück abgefragt, „damit alles bereit steht“ . Morgens dann ratlose Gesichter. Drei Hierarchiestufen beschäftigt, „der Küchenchef regelt das“ . Man bringt eine kleine Karaffe Pflanzenmilch und eine Schälchen Cocktailsoße, die auf einem Burger mit Pommes dazu bestimmt gute Dienste erwiesen hätte. Brotaufstrich? Man zeigt auf Wurst und Käse, denn das Buffet hätte alles, was man braucht. Schade.

Auffällig viele Notfälle, Pannen, Liegenbleiber heutzutage. Nervig lange stehender Stau in einer Baustelle bei Göttingen. Zwei verengte Spuren. Krankenwagen mit Signal. Rettungsgasse muss trotz Enge her. Der Fahrer des adipösen SUV vor uns hat scheinbar Angst, dass sein Auto durch Steinchen und Gräser auf dem befestigten Bereich zwischen den Leitpfosten schmutzig wird oder gar auseinanderfällt. Er begibt sich dann doch mit einem halben Breitreifen in die „Wildnis“. Mache mir Sorgen um die Menschheit.

Immer ein gutes Gefühl, was den Urlaub aber nicht herabsetzt: Zuhause ist es schön.

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