Radreise „Mehr Meer“, Woche 1

Collage mit sechs Fotos: Oben links ein Zeltlager mit zwei Erwachsenen, einem Hund und Campingausrüstung auf einer Wiese; oben rechts dichte Stahlseilwindungen auf einer Fährplattform über Wasser. In der mittleren Reihe links sitzt eine Frau mit Hund an einer überdachten Holzbank vor einer Wiese, rechts liegen zwei Menschen mit Hund in Schlafsäcken nebeneinander im Zelt. Unten links stehen mehrere Schubkarren mit Griffen nach oben in hohem Gras, unten rechts ist eine Person in einem alten Gebäude mit kleinem Holzofen, Tisch und historischen Fotos an der Wand.

Montag, 28.07., Transporter Ludwigshafen – Leipzig, ca. 470 km

Der Transporter ist zur bestätigten Uhrzeit noch nicht fertig. Er sei zu spät zurückgegeben worden. Man bemüht sich mit dem Putzen und will auch nicht das Risiko eingehen, wegen schlechtem Saubermachen eine miese Bewertung zu kassieren. Ich will beim Abgeben auch keinen Ärger bekommen. Also nicht aufregen und warten. Nach kurzer Verladung geht es mit ein wenig Verspätung auf die Straße. Fahrt und Abgabe ohne Probleme.
Die ersten Radkilometer geht es quer durch Leipzig zur Adresse der Freunde C. und M., zumindest zur Adresse von vor 20 Jahren. Merke: Wenn Dir jemand keine Post oder Mails mit Signatur schickt, lieber nochmal nach der Adresse fragen. Nach Anruf und weiteren 20 Minuten dann an der aktuellen Adresse angekommen. Natürlich „witzig“.
Küche gekapert, „Guerilla-Kitchen“, weil wir unsere Art des Essens dann ohne Aufwand für die Gastgeber auf den Tisch bringen können. Sehr netter Abend mit guten Gesprächen. Man trifft sich zwar ab und zu, aber man redet dann nicht wirklich in solcher Tiefe. Zwar wenig geradelt, aber doch ein langer Tag geworden. Freundlicherweise dürfen wir dort übernachten.

Dienstag, 29.07., Leipzig – Aken, 97 km

Eine Runde durch die Innenstadt, dann Richtung Bitterfeld. Dort zum Asia Restaurant. Veganes Sushi und Bowl von J. aus der Speisekarte „verhandelt“. Sehr lecker.
Kurz vor Dessau müssen wir auf der Landstraße fahren und bei jedem LKW kribbelt der Nacken. Der ganze restliche Weg war aber super.
In Dessau fahren wir zum Bioladen Bibernelle und proviantieren. Lewis, unser Hund, macht etwas, was er eigentlich nie macht. Er verlässt seine rollende Hundehütte und kommt zu uns in den Laden. Als ich die Krallen tapsen höre, verfrachte ich ihn wieder nach draußen. Zwei Americano und Brause gibt es als Treibstoff für den Restweg. Ankunft in Aken bei der ersten Campingstelle dieser Fahrt. Hier waren wir letztes Jahr schon einmal. Es ist schön, hier nochmal an der Elbe angekommen zu sein.

Mittwoch, 30.07., Aken – Burg, 76 km

Vom letzten Sommer bekannte Wege über Domburg usw. in wärmender Sonne. Umweg nach Gommern, um zu einem Supermarkt zu kommen. In dieser Gegend muss man Umwege fahren, um etwas zu essen zu bekommen.
Sand und Wasserloch-Teststrecke auf den letzten 12 Kilometern vorm Campingplatz. Mein Hinterrad versinkt inklusive Felge, rutsch oft seitlich und dreht durch. Anfahren ist schwierig. J. hat Mäntel mit Stollen und ist nicht so schwer beladen, hat aber sonst ähnliche Probleme. Der Weg macht wirklich keinen Spaß, aber man kann konstatieren, dass wir unsere Räder auch unter Last beherrschen. Niemand landet im Matsch. Die Kette knirscht so sehr, dass ich mir Sorgen mache. Der Campingplatz am See beendet diese Strecke. Ist gut ausgerüstet mit modernen Duschen und Ladeschränken fürs Handy. Da kann die Powerbank mal wieder aufholen. Abendessen im Wind, aber mit Seeblick. Dann noch Sand aus Kette und Ritzeln pulen. Müde…

Donnerstag, 31.07., Burg – Havelberg, 91 km

Umwege wegen Umleitung und wegen Regen. Denn wenn das Handy (wasserdicht, aber möchte man was riskieren?) nicht am Lenker hängt, gibt es durch falsche Entscheidungen Umwege. Am Anfang nur leichter Nieselregen, aber dann wird es richtig nass. Ein Tag mit Regenklamotten und nassen Füßen in Sandalen. Immer gerade noch warm genug, um nicht zu frieren. Immerhin manchmal hilfreicher Rückenwind auf langen geraden Deichstücken. Kleine Bäckerei in Jerichow mit eigener Produktion versorgt uns mit Kaffee und süßem Müsliknäcke. Wir stehen draußen, da man mit Hund nicht rein darf, und fahren weiter bevor uns noch kälter wird. Wieder Regen. Fühlt sich heute wie ein langer Tag an.
Froh über das dichte Zelt und die warmen Schlafsäcke. Weniger froh, dass zuhause unsere Freundin nach wenigen Tagen in der neuen Wohnung in die Palliativstation gekommen ist. Abendessen beim Vietnamesen hilft beim derzeitigen Energielevel.

Freitag, 01.08., Ruhetag

Ruhetag, nur zweimal zum Supermarkt geradelt. Zuerst wegen Frühstück. Nachmittags dann nochmal, um den Wochenendproviant in einer Gegend mit wenig Märkten zu sichern. Dann müssen wir heute keine Umwege mehr fahren. Jemand im Markt sagt giftig: „Alles Bio-Bananen, haben die denn gar keine normalen mehr?“ Ruhe nach dem Frühstück, dann Stadtbesichtigung. Cafe D8, ehemaliger Sitz der Domherren, liebevoll renoviert, schöner Garten mit Eseln, Kaffee, selbstgemachter Gemüsesuppe mit Gemüse aus eigenem Garten. Es geht uns gut. Als es von sehr sonnig zu sehr starkem Regen umschlägt, dürfen wir mit dem Hund rein, Tee trinken und die Bücher der alten Bibliothek lesen. Cool.
Nochmal essen beim Vietnamesen. Bei der Rückkehr ist der Platz voller sportlicher Jugendlicher. Eine Jugendgruppe macht den jährlichen Ausflug mit Training. Ende der Ruhe. Wir sind ja Profis und haben Ohrenstöpsel.

Samstag, 02.08., Havelberg – Eldena, 83 km

Frühstück geht stressfrei, da die Sportjugend vor uns frühstückte und sich für den Tag rüstet.
Nach zwölf Kilometern werden wir von einem Mann an einem Haus auf dem Deich gestoppt. Der Verein Orderstation Havel e.V. aus Werben hat das alte Gebäude teilweise renoviert und nur heute mit Kaffee und Kuchen, später wird gegrillt, geöffnet, weil auf beiden Seiten der Elbe Feste stattfinden. Auch die Fährverbindung über die Elbe gibt es nur heute und wegen der Feste. So sollen Kunden vorbeikommen.
Ich erfahre, dass es nur noch zwei Orderstationen in Deutschland gibt, hier und in Mannheim. Ob ich das nicht wüsste, ich käme ja von da.
Der Duschautomat auf dem Campingplatz Eldena ist defekt. Wir können nicht duschen. Was an anderen, anstrengenderen Tagen eine mittlere Katastrophe gewesen wäre, muss heute mal mit Katzenwäsche gehen. Unklar, was kaputt ist, dass kein Geschlecht duschen kann. Der Mann im Haus lötet, so sagte sie beim Empfang.
Ein Platznachbar gibt Lewis Leckerlireste, die er von seinem verstorbenen Hund übrig hat. Und erzählt uns unverlangt von der DDR und sich in der DDR. Wenig los auf dem Platz, da braucht man Zuhörer. Immerhin gibt es Stühle und einen Tisch am kleinen Bootshafen, um zu kochen und zu essen.
Bei der Hunderunde durch den Ort überlegen wir uns, ob hier überhaupt irgendwas los ist.

Sonntag, 03.09., Eldena – Retgendorf, 77 km

Erstes Ziel ist Ludwigslust. Besichtigung per Rad, dann Kaffeestopp direkt am Schloss. Wieder ein Adliger, der sich baulich und gärtnerisch ausgetobt und dann zusätzlich noch den ganzen Ort nach sich umbenannt hat. Na ja, er hat bestimmt ja auch alle beschäftigt. Am gestrigen Abend und heute findet „Ein kleines Fest im großen Park“ statt. Was leider Absperrungen und für uns Sackgassen und Umwege zur Folge hat. Die Umbauarbeiten an der Bahnstrecke Hamburg – Berlin hatten ihren Start in Ludwigslust, was ich beim Überfahren einer Brücke bestätigen kann.
Von Ludwigslust bis Schwerin regnet es. Kurz zum Schloss, Sitz des Landtages. Hat was disneyhaftes. Wir lassen die Touristen und ihr Gejammer übers Wetter links liegen und suchen warmes Essen. Wir finden eine Stelle, die tropfende Radfahrer mit trockenem Hund nehmen. J. zieht draußen ein trockenes Oberteil an. Sehr zur Freude der Gäste einer Bäckerei mit überdachter Terrasse auf der anderen Seite der Fußgängerzone. Hausgemachte Udon-Nudeln mit Chilli und auch sonst viel gutem Geschmack machen den Tag wieder schöner.
Dann die letzten Kilometer zum Campingplatz an einem der vielen Seen. Lewis ist wieder so froh anzukommen, dass er nach seiner Meinung beim Zeltaufbau hilft.
Alles ist feucht, es ist ein wenig kalt. Aber ich bekomme Pommes mit Radler beim Campingimbiss und die Trangia-Küche bleibt heute aus. Habe ich schon die Freude über ein dichtes Zelt und einen warmen Schlafsack benannt? Habe ich, aber die Freude ist groß.

Unsere Radreise 2025

Auf einer Karte ist die Route einer mehrtägigen Radreise durch Deutschland und den Niederlanden dargestellt. Die Strecke beginnt in Leipzig, verläuft nach Norden an die Ostsee, dann an der Ostsee- und Nordseeküste entlang, in den Niederlanden, ab Groningen gerade Richtung Nijmegen, wieder in Deutschland ebenfalls fast geradlinig über Neuss, Köln, Bonn Koblenz und Rheinhessen zum Ziel in Ludwigshafen. Die Route ist durch zahlreiche nummerierte Wegpunkte und Tageskilometermarkierungen gekennzeichnet und beschreibt einen großen Bogen über die genannten Bereiche.

Die Voraussetzungen waren ähnlich wie letztes Jahr. Besonders war nur die Anspannung im privaten Bereich, die ich hier nicht so genau beschreiben möchte. Es ging um Hilfe für eine Freundin und deren sich schnell verschlechternden Gesundheitszustand. Schön war, dass wir am ersten Urlaubswochenende noch bei einer Hochzeit waren und vorm Standesamt helfend Sekt ausgeschenkt haben.

Froh war ich, als J. die Plöner Seen als „Möchte ich mal sehen-Ziel“ nannte. Von mir kam der Wunsch, nicht wieder die bekannten Kilometer in den ersten Tagen zu radeln. Aus diesen zwei Minimalanforderungen und dem Wissen, dass J. das Meer liebt, enstand dann die Route: Mit Transporter nach Leipzig, Freunde besuchen, dann geradewegs an die Ostsee, Plöner Seen, Nordsee, über Niederlande und Rheintal bis zur Haustür.

Da die Reise für dieses Blog einen Namen braucht und die Route jedem möglichen Küstenkilometer folgt, wurde sie „Mehr Meer“ genannt.

Die Reise fand in der letzten Juli- und den ersten drei Augustwochen statt.
Es folgt von dieser Fahrt ein Reisetagebuch hier im Blog.

Zusammenfassend und vorab nur ein paar Stichpunkte:

  • 1.832 Kilometer in dreieinhalb Wochen. Also weniger als letztes Jahr, obwohl es sich nicht so anfühlte. Aber das waren die fehlenden Tage wegen Hochzeit und Beeilen, um die Freundin nochmal zu sehen.
  • 11 durchfahrene Bundesländer / Regionen: Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Groningen, Drenthe, Overijssel, Gelderland, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz.
  • 5 benutzte Fähren über: Elbe, Weser, Ems, Ijssel, Maas.
  • Kaffee: Bester in Wismar (Acosta), schlechtester in Bad Breisig (muss mir noch überlegen, ob ich das bennenne), sozial positivster in Köln-Ehrenfeld (BüZe = Bürgerzentrum).
  • Keine nennenswerte Pannen.
  • Ein paar Tage nass und kühl, ein paar Tage nachmittags zu warm, überwiegend genau richtiges Radlerwetter. Fast nie direkter Gegenwind, aber Rückenwind ab Groningen bis nach Hause.
  • Hier passt auch der Hinweis, dass ein schöner Ort bei Regen, Kälte oder Wind und schwieriger Verpflegung, nicht so schön ist, wie ein weniger oder gar nicht schöner, glanzloser Ort bei Sonne, blauem Himmel, einem guten Kaffee und gutem Essen. Wir führen mit Nichtradfahrern öfter Gespräche, bei denen wir schwer auf einen Nenner kommen, weil diese wohl noch nie 24/7 draußen und mit Rad und Zelt unterwegs waren. Wir fahren an Museen und Schlössern vorbei, haben einen anderen Fokus und sehen dafür aber sehr viel anderes.

Das Nächste geschafft

Das Bild zeigt ein Schild mit dem Desigual-Logo an einer Scheibe. Der Text darauf lautet: „Wir Haben Geschlossen. Das nächste geschafft ist Stuttgart oder Frankfurt. Danke Für ihren verständnis.“

Auf den Titel bin ich natürlich durch den Zettel im Schaufenster gekommen. Wie immer gilt: Keine Häme. Man lacht auch gerne über meine Wortfindungen in anderen Sprachen. Mehr Wortfindungen sammeln sich hier.

Bei „das nächste geschafft“ fallen mir die Ereignisse der letzten Zeit ein. Schöne und nicht so schöne.

In klassischer Reihenfolge erstmal das Negative:

  • Eine Freundin ist gestorben. Das ist bei jedem traurig. Sie hatte Krebs, fühlte sich aber durchaus auf einem guten Weg. Wir hatten viel vor ihrem Umzug geholfen und überhaupt häufig und regelmäßig Kontakt. Nach ca. 10 Tagen in der neuen Wohnung in die Palliativstation im Krankenhaus, dann Hospiz. Das macht dies irgendwie noch trauriger. Das macht etwas mit einem, wenn man sieht, wie schnell…
  • Mein Arbeitshandy hatte sich innerhalb weniger Tage zweimal auf Werkseinstellung zurückgesetzt. Da ich da auch meine privaten Sachen drauf hatte und es zuletzt am ersten Tag des Urlaubs vorkam, entstand doppelt Aufwand und auch Stress, weil ich damit im Urlaub navigieren wollte. Da merkt man, was alles nicht geht, wenn der Black Mirror nicht will.
    (Zum Glück bin ich schon länger in die Liga der Datensicherer aufgestiegen. Die Fotos sind gerettet.)
  • Als ob der Ärger mit dem Zahn namens Bruno nicht reichen würde, brach mir ein Stück Weisheitszahn (hinter Bruno) ab. Das passierte auch kurz vorm Urlaub. Fühlt sich ja immer wie ein gewaltiger Schaden an, großer Abbruch, scharfe Kanten, und ich hatte bereits unangenehme Szenarien durchdacht.
    (War aber für den kundigen Zahnarzt durch eine Füllung zu retten. Zum Glück hatte ich einen freigewordenen Absagertermin bekommen.)
  • „Unser“ Unverpacktladen, Grünkern in Mannheim, schliesst zum Jahresende. Weil es sich nicht trägt. Sehr schade für uns und traurig für die Macherinnen, die sehr viel Kraft investierten.

Als Gegenpol gab es aber auch Positives:

  • Der Urlaub war lang und toll, manchmal anstrengend, aber vielleicht auch gerade deswegen so erholsam. Man kommt auf andere Gedanken. Ich werde hier noch berichten.
  • Das am Samstagmittag noch schnell gekaufte Handy ist viel besser als das Arbeitshandy. Technisch besser und vor allem nicht durch Adminregeln beschränkt. Und nun habe ich auch wieder den Luxus, in der Freizeit von der Arbeit nicht mehr irritierbar zu sein.
  • Wir hatten mal wieder ein paar Warmshowers-Gäste. Interessante und sehr, sehr nette. Erstere Sorte ist gut für Gesprächsstoff hier zuhause, die zweite Sorte fühlt sich besser an.

Keine der beiden Listen ist vollumfänglich. Und alles nur, wegen eines unwichtigen Zettels mit Fehlern…

Tavolo dell’Italia pazza

Vier Bilder zeigen die Restaurierung und kreative Umgestaltung eines runden Holztischs. Oben links ist der Tisch stark verschmutzt und fleckig. Oben rechts ist die Tischoberfläche abgeschliffen und heller, aber noch ohne neue Dekoration. Unten links wird eine alte Landkarte, in Kreise geschnitten in wilder Ordnung auf die Tischplatte aufgeklebt. Unten rechts ist das fertige Ergebnis zu sehen: Die Tischplatte ist vollständig mit Kartenstücken beklebt und lackiert.

Leckende Blumentöpfe, Schäden in der Tischplatte, Szenen einer Ehe.
Ein neues Projekt für Do it yourself und Upcycling.

Die Beine sind von einem IKEA-Hocker. Dieser wurde schon einmal in einer Upcycling-Aktion mit einer kreisrunden Sperrholzplatte zu einem Tischchen.

Platte abgeschliffen, was die tiefergehenden Schäden im Sperrholz nicht ganz entfernte, aber eine glatte Oberfläche erzeugte.
Einen alten italienischen Autoaltas mit dem Kreisschneider in dekorative Kreise geschnitten. Städte, Küstenabschnitte und Berge mit uraltem, mit Wasser wieder brauchbar flüssig gemachten Holzkleber in möglichst wilder Zusammensetzung aufgeklebt. Durch möglichst wenig denken beim Kleben, hat sich das gut zu einem verrückten Italien gefügt. Nach Trocknung mit einer scharfen Klinge die überstehenden Papierstücke abgeschnitten.
Mit glänzendem Klarlack, die einzige Neuinvestition bei diesem Projekt, versiegelt.

Blumentöpfe kommen da jetzt erstmal nicht mehr drauf. Der Tisch mit der verrückten Italienkarte steht jetzt b.a.w. in meinem Home Office.

Ludwigeshafen

Weißer Lieferwagen mit dem Aufdruck auf der Beifahrertür „67059 Ludwigeshafen, Berliner Str. 21A“ und einer gezeichneten Figur, die einen Baum schneidet. Der Name des Inhabers ist im Foto verpixelt. Unten am Auto steht eine teilweise sichtbare Internetadresse zu einem „Hausmeisterservice“.

Hundespaziergänge können für mich sehr langweilig sein. Aber manchmal sieht man etwas, was zum Schmunzeln geeignet ist.

Ich frage mich, erfolgte die Beauftragung für die Beschriftung dieses Fahrzeugs mit „Ludwigeshafen“?
Oder kämpft der Beschrifter so mit Buchstaben, dass er den Fehler nicht merkte?
Oder hat er den Fehler selbst eingebaut, was scheinbar dem Auftraggeber nicht aufgefallen ist oder stört?

Werde es nicht herausfinden. Ist für das Schmunzeln aber auch egal.
Grüße aus Ludwigeshafen!

Klassentreffen

Wir sind ein Abi-Jahrgang, der sich ziemlich oft trifft. In letzter Zeit alle fünf Jahre. Den beiden Organisatoren sei dank. Die Teilnehmerzahl finde ich immer wieder erstaunlich, da 40 Jahre vergangen sind, wir in alle Richtungen verteilt sind und viele einen sehr langen Weg, teilweise Flug notwendig, auf sich nehmen. In einigen Fällen lebt noch ein Elternteil oder andere Verwandtschaft in der Gegend und dann lässt sich das kombinieren.

Ich habe nicht mit allen geredet. Mein schlechtes Gewissen ist begrenzt, weil das halt nur so möglich ist, wenn man nicht nur mit jedem sieben belanglose Sätze wechseln und dann weiter will. Dafür habe ich mit vielen fast so geredet, als ob wir uns nur nach den Ferien wieder getroffen hätten.

Ich kann zwar diejenigen verstehen, die nie kommen, weil sie nicht wissen, was sie reden sollen (das und eine gewisse Angst habe ich über die Jahre öfter gehört) oder nicht reden wollen, weil wir während der Schulzeit „nicht immer zu jedem nett waren“. Das war eine laut ausgesprochene Erkenntnis des Abends.
Ich habe mich aber wieder wohl gefühlt.

Stichwort Erkenntnis: Vergleichen macht unzufrieden, weswegen ich das möglichst nicht mache. Habe mir auf der nächtlichen Radfahrt nach Hause durch eine angenehm menschenleere Sommernacht dann aber doch gedacht, dass ich sehr über meinen derzeitigen Alltag froh bin. Wenn man die Schulkameraden in Kategorien einteilt, bin ich fast immer froh, da nicht dazu zu gehören.

Ich bin weder gestorben (das waren sehr früh schon einige), noch krank oder übergewichtig, noch habe ich künstliche Körperteile (zwei Hüftgelenke alleine auf einer Bierbank), noch bin ich Arzt (der u.a. die vielen Fragen der „Hüftgelenke“ beantwortete, da hat man wohl nie Freizeit), noch Alleinerziehender oder überhaupt alleine („eine Partnerin hat sich nicht ergeben“), noch abreitslos, noch CEO einer größeren Firma mit mehreren Flugreisen in der Woche oder Leiter einer Abteilung mit großen Projekten und Mitarbeitern in mehreren Ländern.
Dass man die negativ klingenden Sachen nicht will, ist logisch. Aber ich kann auch wenig an den glänzenden Geschichten für mein jetziges Ich beneiden.
Und das hat sich gut angefühlt.

Mein 50. Parkrun

Ein Mann steht im Freien vor Bäumen und Büschen auf einem Weg und hält eine Urkunde in der Hand. Er trägt ein dunkelblaues T-Shirt, eine rote Schärpe und blaue Shorts. Neben ihm steht eine weitere Person, von der nur ein Teil zu sehen ist. Im linken Bildbereich ist eine Grafik mit folgender Statistik zu sehen: Überschrift: „Steffen, hier ist Deine parkrun-Statistik!“ Neckarau parkrun ist als Heimatstandort aufgeführt. 50 absolvierte parkruns (gewalkt, gejoggt oder gelaufen). 7-mal als Helfer tätig. Erste Teilnahme am parkrun am 16.09.2023.

Im September 2023 waren Kim und Darren aus Sydney auf ihrer Radtour quer durch Europa bei uns zu Gast. Wir sind Warmshower Hosts seit 2015, aber das ist eine andere Geschichte. Auf jedem Fall waren Kim und Darren erstaunt, dass wir Parkrun nicht kannten und nicht mitmachten, denn das sei ja hier. Zuerst fand ich, dass 8 Kilometer zum Laufen radeln, nicht hier ist und ich weiterhin alleine meine Runden ab der Haustür drehe.
Um es kurz zu machen: Angemeldet, getestet, seitdem wohl gefühlt und Spaß gehabt.

Bei Parkrun meldet man sich einmal an, dann kann man weltweit jeden Samstagmorgen an einem 5-km-Lauf teilnehmen. In Deutschland gibt es derzeit 65 Parkruns.
Es ist kostenlos. Wenn man etwas beitragen will, Helfer sind immer gerne gesehen. Helfen ist nicht schwer und macht ebenfalls Spaß.

Also gehen wir, meist inklusive Hund, immer wenn nichts anderes in die Quere kommt, samstags nach einem kleinen Frühstück zum Parkrun Neckarau, treffen Leute, quatschen, laufen oder walken. Man kann schnell rennen oder langsam gehen, alles ist okay und jeder redet mit jedem. Wenn man selbst nicht allzu schweigsam ist, dann klappt das nach kurzer Zeit. Eine schöne Gemeinschaft und ein guter Start ins Wochenende, bei dem man früh am Tag das Gefühl hat, etwas wohltuendes gemacht zu haben.

Extra woanders hinfahren, um Standorte zu sammeln ist nicht so mein Ding, aber wenn wir unterwegs sind, schaue ich immer, ob wir da nicht einen anderen Standort mitnehmen können.

Letzte Woche hatte ich meine 50. Teilnahme. Wegen „Hr. Achilles“ hatte ich in diesem Jahr ein paar Aussetzer und als Helfer teilgenommen, was ja sein Gutes hat. Noch ein paar Wochen langsam, dann mal sehen. Auf jeden Fall auftauchen und teilnehmen, weil es Spaß macht. Parkrun kann ich nur empfehlen!

Google Fotos geleert

Die Sicherung von Handyfotos nach Google Fotos ist schon praktisch. Ein Häkchen in der App und alles ist in der Cloud.
Es erschien mir so praktisch, dass ich auch alle digital vorhandenen Bilder aus verschiedenen Fotoapparaten dorthin geladen habe.

Aber:

  • Die Sicherung erfolgte wegen Anrechnung Speicherplatz mit verringerter Qualität.
    Das wäre keine ausreichende Sicherung, falls doch mal ein Computerproblem auftreten würde.
  • Die Bildersuche ist super. Wenn man etwas sucht und sich z.B. an das Detail erinnert, dass man dabei ein rotes Fahrrad gefahren ist, kann man danach suchen und hat meist schnell die Fotos gefunden.
    Das habe ich aber doch nur wenig benutzt.
  • Der geteilte Zugang für den erwachsenen Nachwuchs sollte ein wenig die enorme Entfernung zwischen uns überbrücken.
    Wurde jedoch selten genutzt. Die Frage, ob der Zugang wichtig ist, wurde prompt verneint.
  • Bilder fressen Ressourcen, auch wenn sie ungenutzt in der Cloud liegen.
  • Und jetzt dieses komplett hohldrehende Amerika. Bevor ich hier zu viel in derben Beschreibungen absinke, wie die Tech Bros den Orangenen umschwänzeln:
    Privatfotos gehören nicht in die Cloud. So wie Google das Fahrrad aus obigem Beispiel über die Bildanalyse sehr gut findet, können sie auch nach anderen Dingen in meinen Privatbildern suchen. Die App kann Gesichter erkennen. KI-Training liegt nahe, wenn man technisch auf so viele Bilder Zugriff hat und diese sowieso für den User auswertet.
    Alle Metadaten zu den Fotos liefert man ja sogar mit, also Ort, Uhrzeit, Datum, Kameradaten, …

Klar, dass der Anbieter einen Nutzen aus seinem kostenlosen Angebot ziehen muss. Aber hier habe ich das Gefühl, dass mein Nutzen kleiner ausfällt.

Festplatten kosten nicht mehr viel und ich habe aus Gründen gerade mehr als ich benötigen kann. So ist die Synchronisierung vom Handy zu Google Fotos seit zweitem Amtsantritt von Mr. T. abgewählt und ich sichere geplant einmal im Monat. Wenn ich das mal ausfallen lasse, dann macht das auch nichts, denn ich mache nicht jeden Monat geniale Superfotos, sondern ehrlicherweise manchmal nur Handygeknipse. Hauptsache ausreichend oft sichern.
Die Handyfotos machen aus Bequemlichkeit nur einen kurzen Umweg übers Netz, landen dann auf dem Computer, werden im Netz gelöscht und werden regelmäßig mit FreeFileSync auf die Festplatten verteilt. Programm ist in kostenloser Version bereits super, Open Source, gibt es für mehrere Betriebssysteme. Eine Spende gibt nicht nur gutes Karma, schaltet u.a. noch automatische Aktualisierung frei. Da das Programm, einmal eingestellt, nur die neuen / geänderten Dateien sichert, geht das alles flott.

Damit habe ich jetzt immer eine aktuelle Festplatte im Rechner und drei Kopien. Die Fotos sind in Originalqualität, haben keine Verbindung zu irgendwelchen unangenehmen Interessen, fressen im Liegen keinen Strom und können trotzdem geteilt werden, wenn man mit mir redet. Dass ich nun mal länger nach Fotos suchen muss, wird durch den Vorteil aufgewogen, dass ich mir meine alten Fotos anschaue und mich dabei oft über Sachen freue, die ich gar nicht gesucht hatte.

Das Löschen der ca. 30.000 Bilder aus 28 Foto-Jahren bei Google Fotos war übrigens nicht so leicht. Die App hat mehrfach nur so getan, blieb hängen und hat, wenn überhaupt, nur wenige Fotos gelöscht. Ich musste am Computer löschen.

Europa versteht sich

Das Foto zeigt das Cover eines alten Buches mit dem Titel „Europa versteht sich“. Untertitel: „1000 Wörter in 23 Sprachen bildhaft dargestellt“. Das Cover ist aus braunem, leicht abgenutztem Karton mit Leinenrücken und schwarzer Schrift.

Zuerst fand ich den Titel des Buchs interessant. Weil wir in Zeiten leben, in denen es nicht zu 100% sicher ist, dass sich Europa versteht. Wobei das eher weniger an Sprachproblemen hängt.

Dann finde ich ja diese Art von Wörterbüchern witzig. Ich habe ein anderes Büchlein, in dem man ganz ohne Text einfach auf Dinge zeigen soll, um sich verständlich zu machen. Hier bedeutet „1000 Wörter in 23 Sprachen bildhaft dargestellt“, dass neben dem Bild die 23 Sprachen aufgelistet sind. Hinweise zur Aussprache finden sich nur bei Sprachen, deren Originalbuchstaben dem Deutschen nicht helfen. Beziehungsweise grundlegend in einem der vorderen Kapitel. Es gibt einen Textteil für Wörter, die man schlecht als Bild darstellen kann, z.B. die Wochentage. Die Grafiken sind nicht alle scharf, da hat wohl damals die Zentrierung der Druckfarben nicht bei jeder Seite geklappt.

Da das Buch alt ist, sind die Illustrationen interessant. Damals gab es andere Alltagsdinge, wie Sockenhalter oder Kragenknöpfe. Und wenn es sie gab, sahen sie anders aus. Der Teil mit dem Thema Mode ist ein gutes Beispiel. Die Mineralwasserflasche hat einen Bügelverschluss. Die Tankstelle ist eine runde Zapfsäule mit zwei Türen. Das Abteil im Zug hat eine eigene Tür nach außen und Sitzplätze gibt es auf einer Holzbank.

Deswegen habe ich nach Impressum und Erscheinungsjahr gesucht. 1943, also aus Kriegszeiten. Der Verlag Sebastian Lux, München, hat den Krieg zu spüren bekommen, wurde 1944 ausgebombt. Obwohl aus Kriegsjahren herrscht in dem Wörterbuch Frieden und Alltag. Nur die letzten beiden Seiten widmen sich dem Thema „Militär“ mit „die Sirene, der Luftschutzkeller, die Bombe, die Brandbombe, der Sand, das Schanzzeug, die Gasmaske“.

Was wohl die Zielgruppe für das Wörterbuch war? Habe kurz (weil es mir intensiver die Freude an dem Buch genommen hätte) recherchiert, dass die Förderung eines „europäischen Gedankens“ durch die NS-Propaganda ein strategisches Instrument war, um (Kriegs-)Handlungen zu legitimieren und Kollaborateure zu gewinnen.

Werde das Büchlein auf jeden Fall aufheben.

Ach ja, habe noch einen schwerwiegenden Fehler gefunden. Auf Schwedisch wurde aus Bier „vitt vin“ (= Weißwein). Ein Fehler bei einem für die Völkerverständigung so wichtigen Wort.

Eine Buchseite mit illustrierten Vokabeln. Links stehen Wörter wie „Abteil“, „Sitzplatz“, „Photoapparat“ und „Film“ in 23 europäischen Sprachen, jeweils mit Artikel und grammatikalischem Geschlecht. Rechts sind farbige Zeichnungen zu jedem Begriff: ein Zugabteil, eine Sitzbank, eine alte Kamera und eine geöffnete Kamera, damit man den Film sieht.
Eine Buchseite mit illustrierten Begriffen aus dem Büroalltag. Links sind die Wörter „Schreibtisch“, „Schreibmaschine“, „Tintenfass“ und „Feder“ in 23 Sprachen aufgelistet. Rechts daneben befinden sich farbige Zeichnungen zu jedem Begriff: ein Schreibtisch, eine Schreibmaschine, ein Tintenfass und eine Feder.
Eine Buchseite mit illustrierten Getränken. Links sind die Begriffe „Mineralwasser“, „Bier“, „Weißwein“ und „Rotwein“ in 23 europäischen Sprachen aufgeführt. Rechts stehen farbige Zeichnungen: eine Flasche Mineralwasser mit Glas, ein Bierglas mit Schaum, ein Glas Weißwein und ein Glas Rotwein.

Fake Musiker

Aus dem Archiv, siehe Hinweis. Originaltext als Zitat eingerückt.
Ursprünglich veröffentlicht am Freitag, dem 19. November 2010.

Das ist wirklich lange her. Die Geige hätten wir noch, aber das wäre doch zu affig.

Ich trage gerne die Geige der einen und das Waldhorn der anderen Tochter. Ich finde, in der Rolle als Musiker werde ich von Fremden manchmal einen Tick freundlicher angeschaut. Die wissen ja nicht, dass ich aus beiden Instrumenten nur Katzenjammer hervorbringen könnte.

Heute holte ich vorbestellte Noten im Musikladen ab. Der Verkäufer legte die beiden Bände auf die Theke, um die Preise zu addieren und sagte: “Oh, gleich zwei. Fleißig!” Anstatt zu erklären, dass ich nur Holer und Zahler bin, sagte ich einfach nur „Ja!”
Ich verspiele doch nicht freiwillig mein Image als Künstler.